Mit Fidel gegen Contras

»Die Straßen gehören den Revolutionären!«: Bevölkerung mobilisiert gegen Aktivitäten von Systemgegnern
Von Volker Hermsdorf

jW vom 13.07.2021

In zahlreichen Städten Kubas protestieren seit Sonntag (Ortszeit) Zigtausende gegen den Versuch, durch die US-Blockade und die Covid- 19-Pandemie verursachte Mängel für konterrevolutionäre Aktionen zu instrumentalisieren. Die landesweiten Aktionen richten sich gegen die Einmischung Washingtons und fordern die Beendigung der seit mehr als 60 Jahren gegen das Land verhängten US-Sanktionen.

Wie im Internet veröffentlichte Videos zeigen, hatten sich zuvor in mehreren Orten teilweise Hunderte Personen versammelt und zunächst friedlich ihre Unzufriedenheit über den Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten sowie Stromausfälle ausgedrückt. Unter sie mischten sich dann auch Akteure, die US-Fahnen und -Symbole mit sich führten, Parolen wie »Freiheit« und »Nieder mit der Diktatur, nieder mit dem Kommunismus« skandierten, Steine warfen und im Stadtteil Diez de Octubre der Hauptstadt Havanna ein Polizeifahrzeug umstürzten.

Washington sicherte den Systemgegnern Unterstützung zu. Der staatliche US-Propagandasender Radio and TV Martí widmete den Vorgängen seinen gesamten Internetauftritt und bezeichnete die vereinzelten Proteste als »Volksaufstand«. Noch am selben Tag erklärte Julie Chung, stellvertretende Sekretärin für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre im US-Außenministerium, ihre Regierung sei »tief besorgt« und werde »das Recht des kubanischen Volkes auf friedliche Versammlungen« verteidigen. Der republikanische Senator Marco Rubio forderte die Revolutionären Streitkräfte Kubas zur Meuterei auf. »Die inkompetente Kommunistische Partei kann das Volk nicht ernähren oder vor dem Virus schützen. Jetzt muss das Militär das Volk verteidigen«, zitierte der Sender den Politiker.

Medien in der Bundesrepublik vermengten Informationen mit Fake News. So begründete Spiegel online die regierungskritischen Aktionen unter anderem mit der Behauptung, dass in Kuba – dem einzigen Land Lateinamerikas, das eigene Impfstoffe entwickelt hat, derzeit fünf hochwirksame Vakzine produziert und bereits eine der höchsten Impfquoten der Welt vorweisen kann – der »Impfstoff gegen Corona rar ist«. Zugleich diffamierte tagesschau.de Bürger, die für die Unabhängigkeit ihres Landes demonstrieren, mit der Unterstellung: »Die speziellen Einsatztruppen der Regierung waren in Zivil gekleidet. Sie zogen durch die Straßen und riefen: Wir sind Fidel!«

Tatsächlich übersteigt die Zahl derjenigen, die seit Sonntag zur Verteidigung der Revolution, für das allen Bürgern unentgeltlich zugängliche Gesundheits- und Bildungssystem und gegen die US-Blockade auf die Straße gehen, die der US-freundlichen Systemgegner um ein Vielfaches. Präsident Miguel Díaz-Canel wandte sich am Sonntag per Fernsehansprache an die Bevölkerung. Er erinnerte daran, dass die Regierung bereits 2019 auf die negativen Folgen der mittlerweile 243 neuen Sanktionen zur Verschärfung der US-Blockade hingewiesen hatte, zu denen die Auswirkungen der Pandemie hinzugekommen seien. Es sei verständlich, wenn diejenigen, die seit Monaten unter der Situation litten, ihre Unzufriedenheit ausdrückten, unterstrich er seine Bereitschaft zum Dialog. Jedoch erklärte er auch unmissverständlich: »Wir werden nicht zulassen, dass auch nur ein Konterrevolutionär, der sich an die USA verkauft hat, der Geld von ihnen erhält, unser Land destabilisiert. Die Straßen gehören den Revolutionären!«

Aus: jW-Ausgabe vom 13.07.2021

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